Nach Schicksalsschlägen Freude auf die neue Wohnung

von Jörg Spreemann

Heringsdorf. Der Anruf kam, als Sigrid Müller* nach einer OP im Krankenhaus lag. „Ihre Wohnung ist komplett mit Fäkalien überschwemmt worden“, lautete die Hiobsbotschaft. Die 53-Jährige wohnt in Heringsdorf im Erdgeschoss. „Die Brühe ist aus dem Klo gelaufen, weil die Kanalisation verstopft war“, berichtet sie über das Unglück. Bad, Wohnstube, Flur waren betroffen. „Alles war total verkeimt, als ich aus dem Krankenhaus kam.“

Ihr Vermieter habe sich wenig entgegenkommend gezeigt und nur einen Teil des Schadens übernommen. „Ich habe vier Monate lang im Kinderzimmer“ gewohnt, berichtet die Köchin. Erst danach war der Rest der Wohnung wieder einigermaßen nutzbar. Zwei Lüfter waren in Betrieb, um die Wohnung zu trocknen. Das Problem: Sigrid Müller hat keine eigene Hausratversicherung.

Einen solchen Schutz kann sie sich nicht leisten, nachdem sie bei einem Arbeitsunfall in einer Küche in ein Regal gestürzt ist und sich dabei die Knie ramponiert hat. Seitdem wird sie immer operiert und bekommt eine schmale Rente, die hinten und vorne nicht reicht. Deswegen versucht sie immer wieder, etwas Geld dazuzuverdienen. „Wenn es gesundheitlich irgendwie geht, suche ich mir Arbeit als Küchenhilfe“, erzählt sie. Doch das gehe mit kaputten Knien und Hüften nur zeitweise.

Sigrid Müller musste in diesem Jahr einen schweren Schicksalsschlag verkraften, der ihr immer noch die Tränen in die Augen treibt. Ihr Mann ist im Frühjahr verstorben. Seitdem ist sie allein für ihren Sohn da, der noch nicht volljährig ist und zur Lehre geht. Rettende Hilfe hat sie in dieser schweren Zeit viel von ihrer Schwägerin bekommen, von der sie in kniffligen Alltagsangelegenheiten immer wieder unterstützt wird.

Doch die Frau, die aus Sachsen stammt und vor mehr als 20 Jahren an die Küste gezogen ist, kann nach den vielen Tiefschlägen Hoffnung schöpfen. Noch vor Weihnachten könne sie aus ihrer alten in eine neue Wohnung ziehen. Die sei zwar etwas kleiner, dafür aber Erstbezug. „Ich kann mein Glück noch gar nicht fassen. Das ist für mich wie ein Lottogewinn“, freut sie sich. Allerdings hat sie ein Problem: Couch und Teppich, die sie nur notdürftig säubern konnte, will sie beim Umzug nicht mitnehmen. Doch für neue Möbel ist zurzeit kein Geld da.

* Name von der Redaktion geändert