Der geliebte Sohn starb, jetzt fehlt Geld für sein Begräbnis

von Rita Hidde

Neustrelitz. Das Verkehrschaos und den andauernden Stau vor ihrem Wohnhaus hat Inga L. (*) noch gar nicht bemerkt. Seit Tagen hat die 58-Jährige ihre Wohnung nicht mehr verlassen. In sich zusammengesunken sitzt sie in dem Sessel in der Ecke ihres kleinen Wohnzimmers. Immer wieder rollen ihr Tränen übers Gesicht, wenn sie erzählt über den schweren Schicksalsschlag spricht, der sie heimsuchte. Zu tief sitzt der Schmerz. Es ist noch nicht lange her, seit ihr Sohn verstorben ist. Er wurde nur 33 Jahre alt.

Gerade erst wurden das Pflegebett und der Rollstuhl abgeholt. „In den letzten Wochen hat mein Sohn wieder bei mir gelebt”, erzählt die Frau. Zehn Jahre lang war er in Sachsen-Anhalt zu Hause. Dort hatte er Arbeit gefunden und versucht, sich nach einigen schwierigen Jahren ein neues Leben aufzubauen. Nach den ersten Jahren des beruflichen Erfolges wurde er dann auch in der Ferne arbeitslos, musste sogar Arbeitslosengeld II beantragen. Im vergangenen Frühsommer folgte die schreckliche Diagnose: bösartige Tumore im Gehirn und in der Wirbelsäule, nicht mehr heilbar.

Besitztümer verkauft, um Medikamente zu bezahlen

Der 33-Jährige brauchte Pflege rund um die Uhr. Seine Lebensgefährtin hatte sich von ihm getrennt, so stand er allein da und zog zurück zu seiner Mutter. In ihrer kleinen 2-Zimmer-Wohnung richtete Inga L. das Wohnzimmer eigens für ihren Sohn her, stand ihm nach Kräften zur Seite. Das war für sie nicht leicht – einerseits aufgrund ihres eigenen eingeschränkten Gesundheitszustandes, andererseits auch wegen der schwierigen finanziellen Situation. Ihr Sohn verfügte über kein Einkommen, als er im Sommer wieder zu ihr zog. Aufgrund seiner Krankheit hatte er Termine beim Jobcenter versäumt. Konsequenz: Er wurde sanktioniert und erhielt kein Geld mehr von den Behörden. Inzwischen waren zwar Ummeldungen erfolgt und neue Anträge für ihn gestellt. Doch das alles musste erst bearbeitet werden, sodass die Zahlungen auf sich warten ließen. Inga L. und ihr Sohn lebten derweil allein von ihrem Einkommen. Die 58-Jährige lebt aber selbst auch von Sozialleistungen, die aber reichen. Seit zwölf Jahren bereits ist die frühere Krankenhausstationshelferin aufgrund eines Wirbelsäulenleidens arbeitsunfähig und mittlerweile auf Arbeitslosengeld II angewiesen. „Auch wenn ich Rente beantrage, wird das nicht viel mehr sein als das, was ich jetzt bekomme“, ist sie sich sicher. Für zwei Personen reicht ihr kleines Einkommen vorne und hinten nicht.

Trotz allem gab sie nicht auf, als ihr Sohn sie brauchte. Um alle Ausgaben bestreiten und auch die Medikamente für ihren Sohn bezahlen zu können, verkaufte sie auch Einrichtungsgegenstände, wie zum Beispiel Kristallvasen und -schalen, die ihr noch geblieben waren.

Nach knapp drei Monaten starb ihr Sohn. Für Inga L. hören damit die finanziellen Sorgen aber nicht auf. Ihr fehlt momentan einfach das Geld, um eine würdevolle Bestattung ihres verstorbenen Sohnes bezahlen zu können.

* Name von der Redaktion geändert