Wärme liefern nur die alten Öfen

von Rita Hidde

Neubrandenburg. Geräumig und modern erscheint die Küche von Anne und Peter S. (*), sie wirkt gemütlich und einladend. Wärme verbreitet das Feuer aus dem Beistellherd. Den Mittelpunkt der Küche bildet der große Tisch. Den brauchen sie, denn die junge Familie ist gewachsen. Vier Kinder gehören dazu. Alles Wunschkinder, erklärt Anne S., auch wenn das vierte Kind nicht so geplant war. Denn nach den beiden ersten Kindern, inzwischen fünf und drei Jahre alt, brachte die 31-Jährige vor einigen Monaten Zwillinge zur Welt.

Anne und Peter S. sind glücklich mit ihren vier Steppkes. Was ihnen dagegen Sorgen macht, ist ihr Zuhause. Die Familie lebt in einem über 90 Jahre alten Haus in einem kleinen Dorf. „Wir wohnen hier in fünfter Generation. Ich wollte unbedingt hier bleiben“, erzählt Peter S. Das Haus übernahm er von den Großeltern. Bei ihnen wuchs der heute 43-Jährige nach dem frühen Tod seiner Mutter auf. Als die Großmutter ihm ihren Anteil am Haus überschrieb, klang das zunächst gut, hieß aber, den anderen Geschwistern seiner Mutter ihren Erbanteil auszuzahlen. Ohne Kredit ging das nicht. Ein weiterer Kredit wurde gebraucht für Sanierungsarbeiten am Haus. Das war bitter nötig, weil sich Feuchtigkeit in den Mauern ausbreitete.

Nach Krankheit die Kündigung erhalten

Das ist nun fünf Jahre her. Damals hatten Anne und Peter S. feste Arbeit und ein sicheres Einkommen. „Ich habe in Schichten in einem Milchviehbetrieb gearbeitet“, sagt Anne S. In ihrer Tätigkeit ging sie auf. Dass es manchmal Doppelschichten gab, war kein Problem für die lebenstüchtige Frau, der man kaum ansieht, wie kräftig sie zupacken kann. Als dann die Kinder geboren wurden, musste sie kürzertreten, suchte sich eine andere Tätigkeit in der Stadt, wo keine Schichten anfielen.

Doch die Feuchtigkeit im Haus hinterließ Spuren. Die Nässe verursachte Schimmel an den Wänden. Die Kinder wurden oft krank, Anne und Peter S. ebenfalls. Weil sie im Job immer wieder ausfielen, erhielten beide die Kündigung. Als Bauarbeiter fand Peter S. schnell eine neue Anstellung. Auch Anne S. bekam eine neue Chance, ihr Glück über den neuen Job währte jedoch nur kurz. Schon kurze Zeit später stellte sich heraus, dass diese Arbeit mit der Kinderbetreuung nicht in Einklang zu bringen war.

Und dann wurde sie erneut schwanger. So blieb sie zu Hause, kümmerte sich um die Kinder, die Wohnung, den großen Garten und die Kleintierhaltung —Hühner, Kaninchen und Enten. Das Einkommen der Familie besteht jetzt aus dem Verdienst von Peter S., einem geringen Wohngeldzuschuss und dem Kindergeld. „Das Kindergeld brauchen die Kinder für sich allein“, sagt Peter S. Wenn die Kredite bedient und alle laufenden Kosten für Energie, Wasser, Heizung gezahlt sind, bleiben knapp 300 Euro zum Leben.

Obst und Gemüse liefert der Garten

„Wir kaufen eigentlich nur Brot, Butter und Wurst ein“, erklärt Anne S. Den Rest lieferten Garten und Kleintierhaltung. Das Obst aus dem Garten weckt sie auch ein, manches wird zu Saft verarbeitet. „So ist immer Frisches im Haus“, sagt sie. Und schon ihre beiden größeren Kinder kennen die Gartenkräuter, gehen sogar mal selbst welche pflücken, erzählt die Mutter stolz.

Die Heizung im Haus bleibt fast immer kalt, um Öl zu sparen. Stattdessen werden die alten Kachelöfen mit Holz und Kohlen geheizt, das ist kostengünstiger, so ihre Erfahrung. „Wir haben sogar versucht, das Haus zu verkaufen“, erklärt Peter S. Mit der hohen Kreditbelastung und dem Sanierungsbedarf sei das aber unmöglich.

Trotz aller Sparsamkeit ist jetzt einfach kein Geld übrig, um mal Steine oder Zement zu kaufen, sagt er fast verzweifelt. Dabei ist am Haus noch sehr viel zu tun, denn außer der Küche haben alle Räume deutlichen Renovierungs- und Sanierungsbedarf. Vor allem aber müssen die Wände trocken gelegt werden. Peter S. hat schon vieles selbst gemacht, er ist tüchtig, kann zupacken und würde die Arbeiten gern fortsetzen. Deshalb bedauert er umso mehr, dass er kein Material kaufen kann. Zunächst jedoch müssten erst mal Holz und Kohlen angeschafft werden. Woher sie das Geld dafür nehmen, wissen sie noch nicht. Zumal sie auch noch einem Verwandten Geld schulden, das sie sich für eine dringend notwendige Reparatur am Auto leihen mussten.  

*Namen geändert