Sorgenvolle Jahre nach Tod des Partners

von Rita Hidde

Neubrandenburg. „Noch immer höre ich seine letzten Atemzüge“, sagt Silke B. (*). Ihr Lebenspartner starb in ihren Armen nach einer Krebserkrankung. Da war er allerdings erst 43 Jahre alt. Ein Zufallsbefund nach einem Unfall brachte die schreckliche Diagnose. Nur neun Monate später verlor er den Kampf gegen die Krankheit.

Vier Jahre ist das inzwischen her. Für Silke B. hat sich das Leben seither komplett verändert. Das begann bereits in den letzten Lebenstagen ihres Partners. Nicht allein, dass die schwere Erkrankung des Mannes sie belastete. Nur eine Woche bevor er starb, erhielt sie die Kündigung. Die Entscheidung kann die 39-Jährige noch immer nicht nachvollziehen. Damals arbeitete sie als Altenpflegerin. Um ihren Partner zu pflegen, ließ sie sich von der Arbeit frei stellen. „Alles war besprochen und von der Leitung abgesegnet“, erinnert sie sich. Doch nach nur wenigen Tagen wurde sie gekündigt, weil niemand wissen könne, wann sie wieder zur Arbeit käme. „Ich hatte zu der Zeit keine Kraft, mich dagegen zu wehren“, sagt Silke B.

Nach dem Tod ihres Partners, mit dem sie acht Jahre lang zusammen gelebt hatte, fiel sie in ein tiefes Loch. Panikattacken, Depressionen quälen sie bis heute. Das auch, weil sie – gerade mal 24 Jahre alt – durch einen Unfall schon einmal einen Lebenspartner verloren hat.

Sie ist froh, dass sie öfter bei ihrer Mutter essen kann

Dazu kommen für die junge Frau finanzielle Sorgen. Zwei Jahre vor dem Tod ihres Partners kauften sich die beiden gemeinsam ein Haus in einem Dorf. „Wir hatten beide Arbeit, haben verdient“, erzählt Silke B. Zusammen konnten sie den Kredit und alle Nebenkosten gut bezahlen. Nun steht sie allein da mit dem Haus.

Am liebsten würde sie es verkaufen und in eine kleine Wohnung ziehen. Das allerdings sei einfach nicht möglich. Die Hälfte des Grundstücks, auf dem das Haus steht, sei Pachtland. Die Verpächterin, die weit entfernt wohnt, will aber nicht verkaufen und von Silke B.s Plänen nichts wissen. Vorerst ist an einen Verkauf nicht zu denken.

„Diese ganze Situation macht meine psychische Situation nicht besser“, sagt sie. Ständig kreisen ihre Gedanken darum, wie sie das finanziell alles packen soll. „Ich hänge jetzt richtig in der Luft. Auf dem Arbeitsmarkt kann ich nicht vermittelt werden wegen meiner psychischen Verfassung, für Rente reicht es nicht“, erklärt sie.

So lebt Silke B. jetzt von Arbeitslosengeld II. Manchmal wissen sie selbst nicht, wie sie das alles hinbekommt, sagt sie. Sie ist froh, dass sie öfter mal bei ihrer Mutter essen kann. Doch die lebt selbst von einer kleinen Rente, kann der Tochter nicht mehr geben. Kleidung bekomme sie ab und an von Freundinnen, wenn die ihren Kleiderschrank aussortieren, schildert die 39-Jährige. Auch ihr Bruder greife ihr hin und wieder finanziell unter die Arme, soweit er kann. Aber der müsse auch sehen, wie seine Familie klar kommt.

Und nun noch das Problem mit der Klärgrube. Vom Umweltamt wurde Silke B. aufgefordert, eine neue Grube bauen zu lassen. Die Kosten dafür überfordern sie komplett. Ein Viertel der Summe hat sie vom Jobcenter bekommen. Wie die Vermittlerin erklärt, regelt die Unterbringungsrichtlinie des Landkreises die Kosten für Hausbesitzer, sodass immerhin die angemessenen Miet- und Heizungskosten berücksichtigt werden. Dieser eigentliche Heizkostenzuschuss wurde Silke B. für den Klärgrubenbau zur Verfügung gestellt, der Rest der Kosten als Darlehen gewährt, das sie nun in kleinen Raten abzahlen muss.

Das bedeutet allerdings, dass der jungen Frau für ein Jahr keine Heizkostenzahlung vom Amt mehr zusteht. Da die Heizölvorräte aufgebraucht waren, musste sie aber neues Öl bestellen. Dafür lieh sie sich Geld bei ihrem Bruder. Das aber muss sie auch zurückzahlen. „Langsam weiß ich wirklich nicht mehr ein noch aus“, sagt Silke B. Sie habe sogar schon versucht zu arbeiten, um aus der Situation herauszukommen. Doch sie musste einsehen, dass es zu früh war und sie noch Zeit braucht, um wieder gesund zu werden.

 *Name geändert