Das Bett mit Brettern zusammengeflickt

von Rita Hidde

Uckermark. Die neun Monate alte Lisa robbt über den Fußboden. Mit liebevollen und sehr wachsamen Blicken verfolgt Mutter Nicole S.* die Bewegungen der Kleinen. Nur mühsam konnte Nicole S. die Beziehung zu ihrer Tochter aufbauen. Zwei Jahre vor der Geburt von Lisa verstarb das erste Kind von Nicole S. an plötzlichem Kindstod. „Ich habe noch immer Angst, dass das Gleiche wieder passiert“, sagt die 31-Jährige, die mit ihrer Tochter allein lebt. Zwar habe sie Kontakte zum Kindesvater, doch die feste Beziehung sei zerbrochen, noch bevor Lisa zur Welt kam. 

Nicole S. hat in ihrem Leben schon einige Tiefen überwinden müssen. Als sie gerade mal 16 Jahre alt war, starb ihre Mutter ganz plötzlich. Der Vater war mit der Erziehung völlig überfordert. „Ich war froh, dass ich in eine Pflegefamilie kam“, erzählt die junge Frau. Dort blieb sie, bis sie 18 Jahre alt war.

Der Tod ihrer Mutter aber belastete sie nach wie vor. Als dann noch die Fürsorge in der Pflegefamilie fehlte, verlor sie den Halt. Sie brach die Ausbildung ab und vertraute falschen Freunden. „Letztlich bin ich völlig abgerutscht“, schätzt die 31-Jährige ein. Bis hin zur Prostitution. „Ein guter Freund hat mich da Gott sei Dank rausgeholt“, sagt sie.

Nächstes Ziel: Eine neue Ausbildung absolvieren

Darüber zu reden, fällt ihr nicht leicht. „Ich habe mich mein ganzes Leben nur gestraft gefühlt“, erklärt sie. Jetzt aber will sie nach vorn blicken, auch für ihre Tochter. Auf jeden Fall möchte sie eine neue Ausbildung absolvieren, am liebsten in der Altenhilfe. Ein erster Schritt auf dem neuen Weg war der Umzug. Ihre vorherige Wohnung war mit Schimmel belastet, ein Großteil der Möbel ist nicht mehr brauchbar, zumal Nicole S. ohnehin ausschließlich gebrauchte Einrichtungsgegenstände besaß. Ihr Bett zum Beispiel ist mit Brettern und Schrauben geflickt. Mittlerweile haben ihr Freunde einen alten Kleiderschrank überlassen. Nicole S. ist dafür dankbar. Für 100 Euro konnte sie außerdem von Bekannten Küchenschränke abkaufen, für 250 Euro eine Couch, die sie nun in Raten abzahlt.

Und dann will sie auf eine Waschmaschine sparen. Aus der alten läuft immer mehr Wasser aus. Eine Frage der Zeit, wann sie ganz kaputt ist. „Irgendwie wird das schon gehen“, spricht sich die 31-Jährige Mut zu.

  * Namen geändert