Die Wünsche der guten Seele im Haus

von Jörg Spreemann

Demmin. Am Ende waren die Treppen doch zu steil. Elsa Klein* musste in eine Wohnung umziehen, die ebenerdig liegt. "Die Beine machen nicht mehr mit", nennt die Invalidenrentnerin aus Demmin den Grund dafür. Seit fünf Jahren wohnt sie in zwei kleinen Zimmern  mit Küche und Bad. Grauer DDR-Putz, Eingang über den Hinterhof. Elsa Klein ist trotzdem zufrieden: "Mir gefällt die Wohnung hier."

Die 61-Jährige hat zu DDR-Zeiten lange in der Landwirtschaft gearbeitet. Tiere gefüttert, Ställe ausgemistet, Schafe gehütet. "Das war eine schöne Zeit, ich war viel an frischer Luft", erinnert sie sich. Später zog sie in die Stadt und arbeitete als Reinigungskraft. Anfang der 90er Jahre kam mit der Krankheit der Schock: Elsa Klein musste ihren Job aufgeben. Die Folge ist eine Mini-Rente, die vom Amt aufgestockt wird.

"Ich komme damit zurecht", sagt sie bescheiden. In den vergangenen Jahren musste sie mehrere Schicksalsschläge einstecken. 2007 starb ihr Lebensgefährte, vor gut zwei  Jahren stürzte sie im Badezimmer und zog sich einen komplizierten Beinbruch zu, mit dessen Folgen sie heute noch zu kämpfen hat. Erst seit kurzer Zeit kann sie mit den Rollator wieder selbst einkaufen fahren oder auf dem Friedhof das Grab ihres Vaters pflegen. "Hoffentlich gibt es nicht so viel Schnee. Wenn es glatt wird, traue ich mich nicht mehr raus", sagt Elsa Klein.

Im Haus ist sie so etwas wie die gute Seele. Wenn die Heizung ausfällt, ruft sie den Handwerker, als es ihr noch besser ging, hat sie draußen Unkraut gezupft oder im Winter Sand gestreut. Dabei kann sie sich auf die Unterstützung ihres Nachbarn verlassen, der ihr vor kurzem erste neue Gardinenstangen angebaut hat. Auf Hilfe von außen mag sie nicht zurückgreifen: "Dann würde ich mich ja nicht mehr selbst anstrengen."

Viel Zeit verbringt Elsa Klein vor dem Fernseher. "Da gucke ich mir auch mal einen Horrorfilm an", gibt sie zu. Weil sie nicht so viel raus kann,macht sie es so gemütlich wie irgend möglich. Obwohl sie seit geraumer Zeit in ihrer Wohnung lebt, fehlen noch Einrichtungsgegenstände. Gerade erst hat sie sich eine Waschmaschine gekauft und den Kaufpreis abgestottert. Für das Wohnzimmer benötigt sie strapazierfähigen Fußbodenbelag. "Der muss was aushalten können, weil ich wegen meiner Verletzung nur mit festen Schuhen laufen kann", erklärt sie. Ihr größter Wunsch aber: Ein rückengerechtes Bett. Derzeit schläft sie auf einer alten Couch, deren Liegfläche völlig durchgelegen ist. "Wenn das klappt, würde ein Traum in Erfüllung gehen."