Witwe braucht Herd und Waschmaschine

von Frank Wilhelm

Löcknitz. Birgit B.*weiß nicht mehr ein und aus. Das Jahr 2017 wird einfach nicht besser für die 58-Jährige, die in einem kleinen Dorf bei Löcknitz wohnt. Im Frühjahr traf sie ein schwerer Schicksalsschlag: Ihr Ehemann starb im Alter von erst 62 Jahren nach einer langen, schweren Krankheit. Birgit B. stand plötzlich alleine da. Zum Glück helfen ihr zwei der Töchter, die wie sie in der Uecker-Randow-Region leben.

Birgit B. und ihr Mann hatten nie viel vom Leben. Zuletzt lebten beide über mehrere Jahre von Hartz IV, also Arbeitslosengeld II, mit dem sie gerade so über die Runden gekommen sind. Nie verfügte das Paar über ausreichend Geld, um Reserven für größere Investitionen zu bilden. Erst recht gelang das Birgit B. nicht nach dem Tod des Ehemanns. Zurzeit erhält sie etwas mehr als 560 Euro Witwenrente überwiesen. Hinzu kommen 87 Euro zur Aufstockung vom JobCenter. Nach Abzug aller monatlich auflaufenden Kosten wie Miete, Strom und Versicherungen verbleiben ihr rund 275 Euro, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Angesichts dessen hat es Birgit B. hart getroffen, als vor wenigen Wochen die Waschmaschine den Geist aufgegeben hatte. Eine ihrer Töchter borgte ihr zwar eine gebrauchte Maschine, die nun allerdings auch defekt ist. "Ich weiß nicht, wovon ich eine neue Waschmaschine kaufen soll", sagt die 58-Jährige traurig. Zumal ihr Schuldnerberaterin Marlene Smolan von der Volkssoldarität, die ihr zur Seite steht, davon abrät sich mit einem Ratenkredit zu belasten. Abgesehen davon hat auch das JobCenter die Gewährung eines Darlehens abgelehnt. Auch ihre Töchter können sie aufgrund der eigenen schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse nur begrenzt unterstützen.

Nun ereilte Birgit B. die nächste Hiobsbotschaft: Auch der Herd wird es nicht mehr lange machen. Die Herdplatten können schon jetzt nur noch teilweise benutzt werden. Die Backröhre ist defekt. Da dürfte es nichts werden mit einem leckeren Entenbraten zum Weihnachtsfest. Während für die meisten Menschen ein Herd und eine Waschmaschine zu den Selbstverständlichkeiten des Alltags gehören, bilden für Birgit B. die beiden Geräte den größten Wunsch zu Weihnachten.

Sie weiß allerdings auch, dass sie auf fremde Hilfe angewiesen ist. Als junge Frau hat sich Birgit B. um die Betreuung und die Erziehung der eigenen Kinder gekümmert. Eine Ausbildung hat sie damals nie abgeschlossen, was sich nun rächt. Jetzt steht sie ohne Berufsabschluss da. Auch einen Führerschein besitzt sie nicht. Deshalb ist sie auf dem Arbeitsmarkt kaum vermittelbar.  

* Name von der Redaktion geändert