Nach dem Schlaganfall die Übersicht verloren

Als Handwerker war der 55-jährige Hannes P. auf vielen Baustellen unterwegs. Jetzt ist er auf Rollator und Gehhilfen angewiesen. Die Wohnung kann er nur mit fremder Hilfe verlassen. Doch ein Umzug ist vorerst nicht möglich.

Hannes P. (*) sitzt auf der Eckcouch im Wohnzimmer seiner 2-Zimmer-Wohnung. Er hat die Couch mit einer Decke geschützt. Neu ist sie nicht, aber sie soll lange halten. Es ist zurzeit der Lieblingsplatz von Hannes P. Von hier aus kann der 55-Jährige aus dem Fenster schauen. Er hat einen Blick ins Grüne, ins Freie. „Hier ist es sehr ruhig“, sagt er und gesteht, dass es ihm manchmal schon ein wenig zu still ist und etwas Abwechslung fehlt.

Ohne fremde Hilfe kann Hannes P. seine Wohnung nicht verlassen. Sie liegt im zweiten Stock. Und die Treppen sind für ihn allein nicht zu überwinden. Seit seinem Schlaganfall vor knapp zwei Jahren ist er auf fremde Hilfe angewiesen. Für den gelernten Maler eine völlig ungewohnte Situation. Er war es gewohnt zuzupacken. Auf vielen Baustellen war er unterwegs – von der Ostsee bis nach Berlin, hatte sich in seinem Beruf auch selbstständig gemacht. Nach seiner Scheidung dann zog er vor sieben Jahren in die Stadt. Mit dem Umzug gab er sein Gewerbe auf, arbeitete in einem Baubetrieb. Als die Auftragslage schlecht war, wurde er entlassen. „Ich habe mich danach in vielen Firmen beworben. Aber in meinem Alter ist es nicht so leicht, neue Arbeit zu finden“, sagt er. Jetzt sei daran sowieso nicht mehr zu denken.

„Ich wusste gar nicht, dass ich Mietschulden habe“

Hannes P. ist erwerbsunfähig und pflegebedürftig. Neben der Couch stehen der Rollator und auch Gehhilfen. In den Beinen hat er kein Gefühl mehr. „Da überlegt man sich jeden Schritt“, sagt er. Zweimal pro Woche kommt der Pflegedienst, um den Hausputz zu machen und um für ihn einkaufen zu gehen. Manchmal fragt auch ein Nachbar, ob er etwas mitbringen soll beim Einkauf. Denn trotz der Liste, die er in der Woche dafür schreibe, fehle doch das Eine oder Andere doch noch mal oder müsse frisch geholt werden, erzählt Hannes P.

Und der 55-Jährige muss sich das Geld gut einteilen. Seine Erwerbsunfähigkeitsrente ist so gering, dass er noch aufstockende Grundsicherung bekommt. Rücklagen gibt es nicht nach der Zeit der Arbeitslosigkeit.

Der Rentner würde gern in ein Haus mit Fahrstuhl oder noch besser in eine Einrichtung mit betreuter Wohnform ziehen. Dann wäre manches einfacher für ihn. Doch vorerst kommt er nicht aus seinem Mietvertrag heraus. Der Grund: Hannes P. hat Mietschulden, gut eine Monatsmiete ist offen. „Ich wusste gar nicht, dass ich Mietschulden habe“, sagt er und hadert mit sich. Er könne sich überhaupt nicht erklären, wie das passiert ist. Wahrscheinlich sei der Rückstand beim Übergang von der Arbeitslosengeld- zur Rentenzahlung entstanden, meint seine Betreuerin von der Caritas, die sich jetzt um die behördlichen und finanziellen Belange des früheren Handwerkers kümmert. Das Arbeitslosengeld wird am Beginn des Monats, die Rente am Monatsende gezahlt. Da habe er wahrscheinlich – auch bedingt durch seine Krankheit, durch die auch seine Gedächtnisfähigkeit eingeschränkt ist – den Überblick verloren. In sehr kleinen Raten versucht Hannes P. nun, die Summe auszugleichen, damit er irgendwann umziehen und wieder allein wieder nach draußen gelangen kann.

(*) Name geändert