Leserhilfswerk

Das Leserhilfswerk unterstützt Menschen in der Region, die durch schwere Schicksalsschläge unverschuldet in Not geraten sind. Dank der Spenden von Lesern und Unternehmen ist es seit 1992 möglich, auf diese Weise zu helfen. Bislang konnten dadurch mehr als 3100 Familien und Mitbürger eine Spende erhalten – getreu dem Motto „von Nachbar zu Nachbar“.

Taschengeld reicht nicht für einen Kaffee

von Rita Hidde

Uckermark. Im Zimmer von Heidrun B.* fallen die vielen Bilder ins Auge – auf der kleinen Kommode, in dem Regal, auf dem Paneel ums Bett. „Das sind Fotos von meinen Geschwistern und deren Kindern“, erklärt die 75-Jährige. Sie lebt seit Jahren schon in einem Pflegeheim, nachdem sie durch eine psychische Erkrankung ihren Beruf nicht mehr ausüben konnte. Eigene Kinder hat sie nicht, ihre Ehe hatte nur kurze Zeit Bestand. Nach ihrer Erkrankung blieb nur der Weg ins Heim. Das fiel ihr nicht leicht. Inzwischen aber hat sie sich gut eingelebt. Und sie würde gern in ihrer jetzigen Betreuungseinrichtung bleiben – auch wenn das für sie mit deutlichen finanziellen Einschränkungen verbunden ist.

Der Grund: Ihre Rente überschreitet nur um wenige Euro die Grenze, sodass sie für die Heimkosten keinen Zuschuss vom Sozialamt bekommt. Bei Betreuten mit geringem Einkommen werden die darüber hinausgehenden Kosten als Sozialleistungen übernommen und sichergestellt, dass ihnen 116 Euro Taschengeld im Monat bleiben. Heidrun B. hat nach Abzug aller Kosten für Heimbetreuung und Grundgebühr für das Telefon gerade mal 39,24 Euro für sich, rechnet die Rechtsbetreuerin der Seniorin, die sich auch um deren finanzielle Angelegenheiten kümmert, vor. Davon müsse die 75-Jährige Friseur, die für sie wichtige Fußpflege und auch alle Kosmetikartikel, die sie braucht, bezahlen. Für neue Kleidung oder mal für einen Kaffee in der Cafeteria des Heims ist da trotz aller Sparsamkeit nichts übrig. Rücklagen sind aufgebraucht.

Bruder und Schwester halten engen Kontakt

Aus dem Heim ausziehen und eine preiswertere Alternative suchen, das möchte die Frau nicht. Sie habe schon überlegt, die Grundgebühr fürs Telefon zu sparen, sagt sie. Damit würde ihr dann aber der Kontakt zu ihren Geschwistern fehlen. Und der ist ihr sehr wichtig.

Ihre Schwester und ihr Bruder sowie deren Kinder kümmern sich sehr gut um sie, obwohl sie teilweise weit entfernt wohnen. Früher habe sie ihre Geschwister auch besucht. Das ist nun aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich. Aber ihr Bruder organisierte extra die Feier zu seinem 80. Geburtstag in dem Ort, in dem sich das Heim von Heidrun B. befindet, damit sie bei dem Anlass dabei sein kann. Und ihre Schwester habe ihr dafür eine neue Bluse gekauft, sagt sie. Die habe ihr auch schon mal einen Friseurbesuch zu Weihnachten geschenkt und ihr Bruder ein Paar Schuhe. Heidrun B. ist darüber sehr froh. Doch alle Wünsche könne sie der Schwester nicht erfüllen, denn sie leben selbst von Rente. 

* Name geändert